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Wie genau ist ein Selbsttest? Grenzwert, Übereinstimmung, Ablesezeit
Was Angaben wie Übereinstimmung, Referenzwert und Grenzwert bei Selbsttests bedeuten, warum ein Ergebnis knapp daneben liegen kann und wie Sie Fehler beim Test vermeiden.

Was „genau“ bei einem Test bedeutet
Auf vielen Selbsttests stehen Zahlen: Prozentwerte, Probenzahlen, Grenzwerte. Wer einen Test kauft oder ein Ergebnis in der Hand hält, fragt sich, was diese Angaben bedeuten und wie sehr man sich auf das eigene Ergebnis verlassen kann. Die Antwort ist nicht ganz einfach, denn „genau“ kann bei einem Test mehrere Dinge heißen.
Dieser Ratgeber erklärt die wichtigsten Begriffe verständlich: was ein Grenzwert und ein Referenzbereich sind, was eine Übereinstimmung mit dem Labor aussagt und warum ein Ergebnis knapp daneben liegen kann. Als Beispiele dienen die Angaben zu drei Selbsttests von HomeHuLab für Eisen, TSH und Vitamin D. Er zeigt außerdem, welche Fehler beim Test ein Ergebnis verfälschen und wie Sie sie vermeiden.
Was ein Test misst: Stoff, Wert, Grenze
Jeder Selbsttest weist einen bestimmten Stoff in der Probe nach. Beim Eisenmangel-Test ist das Ferritin, ein Speicher für Eisen im Körper. Der TSH-Test prüft das Hormon, das die Schilddrüse anregt, und beim Vitamin-D-Test geht es um den Vitamin-D-Wert. Alle drei untersuchen eine Blutprobe, also Vollblut.
Keiner dieser Tests zeigt eine Zahl, wie Sie sie von einem Laborbefund kennen. Stattdessen vergleicht der Test die Menge des Stoffs mit einer festgelegten Grenze und zeigt an, ob sie über- oder unterschritten ist. Der Eisenmangel-Test zeigt, ob das Ferritin unter dem Grenzwert liegt, der TSH-Test, ob das TSH darüber liegt. Beim Vitamin-D-Test geht es um einen Wert unter dem Referenzbereich.

Grenzwert und Referenzbereich
Ein Grenzwert ist die Linie, an der ein Test von unauffällig auf auffällig umschaltet. Wo diese Linie liegt, legt der Hersteller fest; sie steht in der Gebrauchsanweisung. Ein Referenzbereich beschreibt dagegen die Spanne, in der die Werte der meisten Menschen einer Vergleichsgruppe liegen.
Wichtig ist: Die Grenze eines Selbsttests muss nicht genau mit den Werten übereinstimmen, mit denen eine Praxis oder ein Labor arbeitet. Labore nutzen teils eigene Referenzbereiche, und manche Werte werden je nach Alter oder Lebenslage anders beurteilt. Ein Testergebnis über oder unter der Grenze ist deshalb ein Hinweis, den die Praxis mit ihren eigenen Maßstäben einordnet.
Übereinstimmung mit dem Labor: was die Prozentzahl sagt
Um zu prüfen, wie ein Test abschneidet, vergleicht der Hersteller ihn mit einem Laborverfahren. Viele Proben werden mit beiden Methoden untersucht, und dann wird gezählt, wie oft sie zum selben Ergebnis kommen. Laut Gebrauchsanweisung stimmte der Eisenmangel-Test bei 102 Vollblutproben zu 95,1 % mit einem Laborverfahren überein. Beim Vitamin-D-Test beträgt die Gesamtgenauigkeit laut Gebrauchsanweisung 94,4 % bei 90 Vollblutproben.
Eine solche Gesamtzahl hängt auch davon ab, wie viele auffällige Proben in der Studie waren. Aussagekräftiger sind oft zwei getrennte Werte. Die Sensitivität beschreibt, welchen Anteil der auffälligen Proben ein Test als auffällig erkennt, die Spezifität, welchen Anteil der unauffälligen er als unauffällig anzeigt. Laut Gebrauchsanweisung erreichte der TSH-Test bei 220 Vollblutproben 98,2 % Sensitivität und 98,2 % Spezifität.
Hinter den Angaben
Wie viele Vergleichsproben hinter den Angaben stehen
- 102Proben Eisenmangel-TestVollblutproben im Vergleich mit einem Laborverfahren (CLIA)
- 220Proben TSH-TestVollblutproben im Vergleich mit dem ELISA-Verfahren
- 90Proben Vitamin-D-TestVollblutproben im Vergleich mit einem Referenzgerät
Falsch positiv, falsch negativ: warum es vorkommt
Auch ein gut untersuchtes Testverfahren kommt nicht in jeder einzelnen Probe zum selben Ergebnis wie das Labor. Zeigt ein Test ein auffälliges Ergebnis, obwohl das Labor keines finden würde, spricht man von falsch positiv. Zeigt er unauffällig, obwohl der Wert eigentlich auffällig ist, heißt das falsch negativ.
Dafür gibt es mehrere Gründe. Werte nahe an der Grenze werden leichter unterschiedlich eingeordnet. Auch Fehler bei der Anwendung spielen eine Rolle, etwa zu wenig Blut oder ein zu frühes Ablesen. Deshalb gilt bei jedem Selbsttest: Ein auffälliges Ergebnis gehört ärztlich abgeklärt, und anhaltende Beschwerden nehmen Sie auch nach einem unauffälligen Ergebnis ernst.
Im Vergleich
Falsch positiv, falsch negativ, nicht auswertbar
-
Falsch positiv
- Test zeigt auffällig, das Labor nicht
- häufiger bei Werten nahe an der Grenze
- auch Anwendungsfehler kommen in Frage
- Praxis klärt mit einer Laboruntersuchung
-
Falsch negativ
- Test zeigt unauffällig, das Labor nicht
- möglich bei zu wenig Probe oder zu frühem Ablesen
- anhaltende Beschwerden trotzdem abklären
-
Nicht auswertbar
- Bild am Test lässt sich nicht deuten
- oft ein Fehler bei Probe oder Ablauf
- nicht raten, sondern in der Anleitung nachsehen
Ein einzelnes Ergebnis ist ein Hinweis; die Einordnung übernimmt Ihre Arztpraxis.
Werte knapp am Grenzwert
Ein Ja-Nein-Test kennt nur zwei Antworten, die Menge eines Stoffs im Blut ist aber fließend. Liegt Ihr Wert nahe an der Grenze, kann der Test bei einer Probe auffällig und bei der nächsten unauffällig anzeigen. Hinzu kommt, dass manche Blutwerte im Lauf des Tages oder von Woche zu Woche schwanken.
Ein knappes Ergebnis ist deshalb weder ein Grund zur Sorge noch ein Grund zur Entwarnung. Es zeigt eher, dass sich ein Blick der Praxis lohnt. Dort kann der Wert im Labor als Zahl bestimmt werden, und Ihre Ärztin oder Ihr Arzt bezieht Beschwerden, Vorgeschichte und weitere Werte mit ein.
Typische Anwendungsfehler
Viele Abweichungen entstehen nicht im Test selbst, sondern bei der Anwendung. Typisch sind diese Fehler:
- Die Anleitung wird nur überflogen, und ein Schritt fällt unter den Tisch.
- Die Hände sind kalt, und es kommt zu wenig Blut für die Probe.
- Die Reihenfolge der Schritte wird vertauscht, oder ein Teil wird zweimal benutzt.
- Der Test liegt vor der Anwendung zu lange offen oder ist abgelaufen.
- Das Ergebnis wird zu früh oder viel zu spät abgelesen.
Nehmen Sie sich deshalb Zeit, lesen Sie die bebilderte Anleitung vorher vollständig und legen Sie alle Teile bereit, bevor Sie beginnen.
Kurz-Check
Fehler beim Selbsttest vermeiden
Vor dem Test
- Packung und Verfallsdatum prüfen
- Anleitung vollständig lesen
- Alle Teile bereitlegen
Probe
- Hände warm waschen und gut abtrocknen
- Probe genau wie in der Anleitung nehmen
Ablesen
- Wecker stellen
- Bei gutem Licht ablesen
- Nicht zu früh und nicht zu spät
Danach
- Foto, Datum und Uhrzeit festhalten
- Test nicht ein zweites Mal verwenden
Ablesezeit und Licht
Jeder Test hat eine festgelegte Ablesezeit. Beim Eisenmangel-Test von HomeHuLab sind es 5 Minuten, beim TSH-Test und beim Vitamin-D-Test 10 Minuten. Lesen Sie früher ab, ist die Reaktion womöglich noch nicht abgeschlossen; lesen Sie viel später ab, kann sich das Bild am Test verändern.
Stellen Sie deshalb gleich nach dem Auftragen der Probe einen Wecker. Lesen Sie bei hellem Tageslicht oder einer guten Lampe ab, nicht im Halbdunkel. Vergleichen Sie das Bild am Test mit den Abbildungen in der Anleitung und fotografieren Sie es, damit Sie es später in Ruhe zeigen können.
Lagerung und Haltbarkeit
Auch die Lagerung kann das Ergebnis beeinflussen. Lagerbedingungen und Verfallsdatum nennt die Packung; halten Sie sich an diese Angaben. Bewahren Sie die Tests trocken auf, nicht im feuchten Bad und nicht in der prallen Sonne, und verwenden Sie keinen Test nach dem aufgedruckten Datum.
Öffnen Sie den einzelnen Testbeutel erst, wenn Sie wirklich beginnen. Ist eine Verpackung beschädigt, nehmen Sie lieber den zweiten Test oder fragen bei unserem Kundenservice nach. Jeder Test ist nur für eine Anwendung gedacht und lässt sich nicht ein zweites Mal verwenden.
Der zweite Test in der Packung
Die drei Selbsttests enthalten je zwei Tests. Der zweite ist für eine Wiederholung gedacht, zum Beispiel, wenn sich das erste Ergebnis nicht gut ablesen ließ oder wenn Sie den Wert zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal prüfen möchten.
Zwei Ergebnisse geben ein etwas breiteres Bild als eines, ersetzen aber keine Laboruntersuchung. Zeigen beide Tests unterschiedliche Ergebnisse, liegt Ihr Wert möglicherweise nahe an der Grenze. Ob und wann eine Wiederholung für Sie sinnvoll ist, fragen Sie am besten in Ihrer Praxis.
Das Ergebnis mit der Praxis besprechen
Ein Selbsttest gibt einen ersten Hinweis, die Einordnung übernimmt die Praxis. Bringen Sie zum Termin das Foto Ihres Tests mit, das Datum, die Uhrzeit und, wenn Sie beide Tests genutzt haben, beide Ergebnisse. Notieren Sie Beschwerden und alle Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel, die Sie einnehmen.
Fragen Sie ruhig nach, wie die Praxis Ihr Ergebnis bewertet und ob eine Laboruntersuchung sinnvoll ist. Haben Sie starke oder plötzlich einsetzende Beschwerden, warten Sie nicht auf einen Selbsttest: Wenden Sie sich direkt an Ihre Praxis, an den ärztlichen Bereitschaftsdienst oder im Notfall an den Rettungsdienst.
Ein Selbsttest ersetzt keine ärztliche Diagnose. Lassen Sie ein auffälliges Ergebnis ärztlich abklären; auch ein unauffälliges Ergebnis schließt eine Erkrankung nicht sicher aus.
In-vitro-Diagnostikum zur Eigenanwendung. Bitte beachten Sie die Gebrauchsanweisung. Dieser Ratgeber ersetzt keine ärztliche Beratung.
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