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Parvovirose bei Welpen: Anzeichen und wann es eilt

Woran Sie Parvovirose bei Welpen erkennen können, wann Sie sofort die Tierarztpraxis anrufen, was dort passiert und wie Impfung und Hygiene andere Hunde schützen.

Stand: 6 Min. Lesezeitjoyous Redaktion

Parvovirose bei Welpen: Anzeichen und wann es eilt

Warum Parvovirose bei Welpen ernst ist

Parvovirose ist eine ansteckende Viruserkrankung des Hundes. Ausgelöst wird sie von einem Parvovirus, das vor allem den Darm angreift. Besonders schwer kann sie bei Welpen und bei Hunden verlaufen, die nicht oder nicht vollständig geimpft sind. Bei ihnen kann sich der Zustand innerhalb kurzer Zeit deutlich verschlechtern.

Deshalb gilt bei Parvovirose eine einfache Regel: Zeigt Ihr Welpe Durchfall mit Erbrechen oder wirkt er auffallend schwach, rufen Sie sofort Ihre Tierarztpraxis an. Warten Sie nicht ab, ob es von allein besser wird, und warten Sie auch nicht auf ein Testergebnis. Dieser Ratgeber erklärt, woran Sie die Erkrankung erkennen können, wann es eilt und wie Sie Ihren Hund und andere Hunde schützen.

Was hinter der Erkrankung steckt

Das canine Parvovirus, kurz CPV, vermehrt sich in Zellen, die sich schnell teilen. Beim Hund sind das vor allem die Zellen der Darmschleimhaut und Zellen im Knochenmark, aus denen weiße Blutkörperchen entstehen. Wird die Darmschleimhaut geschädigt, verliert der Körper über Durchfall und Erbrechen viel Flüssigkeit. Gleichzeitig fällt es ihm schwerer, sich gegen weitere Erreger zu wehren.

Ein naher Verwandter des Virus löst bei Katzen die Katzenseuche aus. Beide Viren sind in der Umgebung sehr widerstandsfähig. Sie überdauern lange auf Böden, Decken oder Gegenständen und lassen sich mit vielen üblichen Reinigern nicht ausreichend entfernen. Das macht die Erkrankung so ansteckend.

Wie sich Hunde anstecken

Infizierte Hunde scheiden das Virus in großen Mengen mit dem Kot aus, oft schon bevor sie selbst deutlich krank wirken. Andere Hunde nehmen es über das Maul auf, wenn sie an Kot oder verunreinigten Stellen schnüffeln oder lecken.

Ein direkter Kontakt zu einem kranken Hund ist dafür nicht nötig. Das Virus kann auch an Schuhen und Kleidung, an Händen, im Fell oder an Näpfen, Decken und Spielzeug in die Wohnung gelangen. Hundewiesen, Parks und Orte, an denen viele Hunde zusammenkommen, sind deshalb für ungeimpfte Welpen ein Risiko.

So kommt das Virus

Vier Wege der Ansteckung

  • KotSchnüffeln oder Lecken an Kot infizierter Hunde
  • Schuhe und Kleidungdas Virus wird von draußen in die Wohnung getragen
  • Näpfe und Deckengemeinsam genutzte Gegenstände, Spielzeug und Transportboxen
  • Hände und Fellnach Kontakt mit fremden Hunden oder verunreinigten Stellen

Welche Hunde besonders gefährdet sind

Erkranken können Hunde jeden Alters, wenn sie keinen ausreichenden Impfschutz haben. Besonders gefährdet sind:

  • Welpen, deren Grundimmunisierung noch nicht abgeschlossen ist,
  • Hunde, die nie oder nur unvollständig geimpft wurden,
  • Welpen aus unklarer Herkunft, zum Beispiel aus dem Internet oder von Händlern ohne Nachweise,
  • Hunde, die gerade in eine neue Umgebung gekommen sind, etwa aus dem Tierschutz oder einem Tierheim.

Haben Sie gerade einen Welpen aufgenommen, ist ein Termin in der Tierarztpraxis in den ersten Tagen ohnehin sinnvoll. Dort wird auch der Impfstatus geprüft.

Anzeichen, auf die Sie achten sollten

Parvovirose beginnt oft unspezifisch. Viele Welpen wirken zuerst einfach müde und wollen nicht fressen. Danach können weitere Anzeichen hinzukommen:

  • Teilnahmslosigkeit und auffallende Schwäche,
  • Fressunlust, oft auch Unlust zu trinken,
  • Fieber, später manchmal eine zu niedrige Körpertemperatur,
  • Erbrechen, häufig wiederholt,
  • Durchfall, oft wässrig, übelriechend und manchmal mit Blut,
  • Zeichen von Flüssigkeitsmangel, etwa eingesunkene Augen oder eine Hautfalte, die stehen bleibt.

Solche Anzeichen können auch andere Ursachen haben, zum Beispiel andere Infektionen, Parasiten oder Futter, das nicht vertragen wurde. Ob es Parvovirose ist, kann nur die Tierarztpraxis feststellen.

Wann es eilt: sofort anrufen

Bei einem Welpen oder einem ungeimpften Hund zählt Zeit. Rufen Sie sofort Ihre Tierarztpraxis an, außerhalb der Sprechzeiten den tierärztlichen Notdienst, wenn:

  • Ihr Hund Durchfall und Erbrechen gleichzeitig hat,
  • Sie Blut im Kot oder im Erbrochenen sehen,
  • er nicht frisst, nicht trinkt oder alles wieder erbricht,
  • er auffallend schlapp ist, sich verkriecht oder kaum aufsteht,
  • sich sein Zustand innerhalb weniger Stunden verschlechtert.

Warten Sie in diesen Fällen nicht bis zum nächsten Tag. Ein Schnelltest für zu Hause kann zusätzlich einen ersten Hinweis geben, ersetzt aber keine tierärztliche Diagnose. Der Anruf in der Praxis kommt immer zuerst.

Sofort anrufen

Wann Sie nicht abwarten sollten

Verdauung

  • Durchfall und Erbrechen gleichzeitig
  • Blut im Kot oder im Erbrochenen
  • Alles Getrunkene kommt wieder heraus

Verhalten

  • Auffallend schlapp oder teilnahmslos
  • Frisst und trinkt nicht
  • Zustand wird innerhalb von Stunden schlechter

Ihr Hund

  • Welpe oder nicht vollständig geimpft
  • Erst seit Kurzem bei Ihnen
  • Herkunft oder Impfstatus unklar

Außerhalb der Sprechzeiten

  • Tierärztlichen Notdienst anrufen
  • Nicht bis zum nächsten Tag warten

Der Anruf in der Praxis

Sagen Sie schon am Telefon, dass Sie eine ansteckende Erkrankung vermuten. Viele Praxen lassen Hunde mit Verdacht auf Parvovirose dann nicht ins Wartezimmer, sondern über einen anderen Eingang herein, um andere Tiere zu schützen. Halten Sie diese Angaben bereit:

  • Alter Ihres Hundes, Herkunft und seit wann er bei Ihnen ist,
  • Impfpass mit den bisherigen Impfungen,
  • seit wann welche Anzeichen bestehen, wie oft Ihr Hund erbrochen hat und wie der Kot aussieht,
  • ob er frisst und trinkt.

Fragen Sie, ob Sie eine Kotprobe mitbringen sollen. Transportieren Sie Ihren Hund auf einer Decke oder einem Handtuch, das Sie danach waschen, und halten Sie ihn unterwegs von anderen Hunden fern.

Bei Verdacht

So gehen Sie vor

  1. Sofort anrufenPraxis oder tierärztlichen Notdienst, nicht abwarten
  2. Verdacht nennendamit die Praxis andere Tiere schützen kann
  3. Angaben bereithaltenAlter, Impfpass, Beginn und Art der Anzeichen
  4. Fahrt vorbereitenauf einer waschbaren Decke, fern von anderen Hunden
  5. Zu Hause trennenandere Hunde fernhalten, Kot sofort mit Handschuhen entfernen

Was in der Praxis passiert

In der Praxis wird Ihr Hund untersucht. Zur Abklärung kann die Tierärztin oder der Tierarzt das Virus im Kot nachweisen lassen und eine Blutuntersuchung machen. Wie es danach weitergeht, richtet sich nach dem Zustand Ihres Hundes.

Ein Mittel, das das Virus gezielt beseitigt, gibt es in der Regel nicht. Die Behandlung unterstützt vor allem den Körper, bis er die Infektion überstanden hat: Häufig bekommen erkrankte Hunde Flüssigkeit über eine Infusion und Medikamente gegen Übelkeit und weitere Beschwerden. Viele Welpen müssen dafür einige Tage in der Praxis oder Klinik bleiben, meist getrennt von anderen Tieren. Welche Behandlung Ihr Hund braucht, entscheidet die Praxis.

Zu Hause: andere Hunde schützen

Ist ein Hund an Parvovirose erkrankt, gilt es, die Ansteckung weiterer Hunde zu verhindern. Halten Sie andere Hunde im Haushalt nach Möglichkeit getrennt und fragen Sie in der Praxis, ob sie untersucht oder geimpft werden sollten. Laden Sie in dieser Zeit keine fremden Hunde ein und gehen Sie mit Ihrem Hund nicht auf Hundewiesen.

Entfernen Sie Kot und Erbrochenes sofort mit Handschuhen. Waschen Sie Decken, Handtücher und Textilien so heiß, wie es das Etikett erlaubt. Weil viele übliche Reiniger gegen Parvoviren nicht ausreichen, fragen Sie Ihre Tierarztpraxis, wie Sie Böden, Näpfe und Transportbox reinigen sollen. Denken Sie auch an Schuhe und Kleidung, mit denen Sie draußen waren.

Frisch gewaschene Hundedecken auf einem Wäscheständer in einem hellen Hauswirtschaftsraum
Decken, Handtücher und Textilien so heiß waschen, wie es das Etikett erlaubt. Wie Sie Böden und Näpfe reinigen, fragen Sie Ihre Tierarztpraxis.

Die Impfung: der wichtigste Schutz

Gegen Parvovirose gibt es eine Impfung. Sie gehört zu den Impfungen, die für jeden Hund empfohlen werden, und ist Teil der Grundimmunisierung im Welpenalter. Danach wird der Schutz nach dem Impfplan Ihrer Tierarztpraxis aufgefrischt. Wann welche Impfung fällig ist, steht im Impfpass.

Bis die Grundimmunisierung abgeschlossen ist, ist ein Welpe noch nicht vollständig geschützt. Besprechen Sie mit Ihrer Praxis, wie Sie ihn in dieser Zeit an andere Hunde und an neue Orte gewöhnen, ohne ihn unnötig Orten auszusetzen, an denen viele fremde Hunde unterwegs sind.

Beim Welpenkauf genau hinsehen

Immer wieder erkranken Welpen kurz nachdem sie zu ihrer neuen Familie gekommen sind. Achten Sie beim Kauf oder bei der Übernahme deshalb besonders auf die Herkunft:

  • Lassen Sie sich den Impfpass zeigen und prüfen Sie die eingetragenen Impfungen.
  • Sehen Sie sich den Welpen mit der Mutterhündin an seinem Aufzuchtort an.
  • Kaufen Sie keine Welpen aus dem Kofferraum, auf Parkplätzen oder ohne Nachweise.
  • Vereinbaren Sie in den ersten Tagen einen Termin in Ihrer Tierarztpraxis.

Wirkt ein Welpe schon bei der Abholung müde, mager oder hat er Durchfall, sprechen Sie das offen an und lassen Sie ihn tierärztlich untersuchen.

Dieser Ratgeber ersetzt keine tierärztliche Beratung und keine Diagnose. Bei Anzeichen einer Erkrankung wenden Sie sich bitte direkt an Ihre Tierarztpraxis oder an den tierärztlichen Notdienst.